Die „Fuggerstraße“ startet in vier Ländern Europas

Text: Martin Kluger, Fotografie: Martin Kluger (3)

Das Fugger und Welser Erlebnismuseum ist der einzige Ort in Augsburg, an dem auf die Bedeutung der Montanwirtschaft in der Geschichte der Fugger hingewiesen wird (im Bild: Tourismusdirektor Götz Beck und stellvertretende Musuemsleiterin Katharina Dehner). Jetzt hat die Regio Augsburg Tourismus GmbH eine Kulturreiseroute konzipiert, die ab dem Jahr 2019 zu Bergbauorten, Erzgruben und Verhüttungszentren der Fugger in Österreich, in Italien und in der Slowakei – und natürlich in die Fuggerstadt Augsburg – führen wird.
(Foto: Martin Kluger)

Regio Augsburg initiiert eine Tourismuskooperation mit Partnern in Österreich, Italien und der Slowakei

Woher kam der legendäre Reichtum der Fugger im „goldenen Augsburg der Renaissance“? Üblicherweise denkt man an Weberei, Pfefferhandel und Bankgeschäfte mit Kaisern, Königen und Päpsten. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit: Die wesentlich wichtigere Einkommensquelle war – ab der Zeit Jakob Fuggers „des Reichen“ und bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts – die Montanwirtschaft. Die Fugger waren quasi die „Krupps der Frühen Neuzeit“. Sie führten einen Montankonzern, in dem zwar auch Gold und Silber eine Rolle spielten. Der wahre „Bergsegen“ resultierte aber aus dem Abbau von Erzen, der wahre Reichtum aus dem Handel mit Kupfer, Blei, Quecksilber und weiteren Metallen sowie deren Weiterverarbeitung. In den Verhüttungszentren entstanden Produkte aus den Legierungen Bronze, Messing und Rotguss. Sogar die Versorgung der Bergarbeiter war ein nicht zu unterschätzender Geschäftszweig. Der fuggerische Montankonzern war in insgesamt zehn Ländern Europas aktiv und hinterließ in mindestens zwei Dutzend Bergbaustädten, an Standorten von Hüttenwerken und in Distributionszentren zwischen Spanien und der Slowakei, zwischen Belgien und Italien, in Deutschland vom Allgäu bis nach Thüringen Fuggerhäuser, Fuggerschlösser, Sakralkunst und andere Sehenswürdigkeiten. Die Fugger trugen (und tragen bis heute) den Namen Augsburgs in weite Teile Europas.

Das Wissen darüber ließ Augsburgs Tourismuschef Götz Beck schon seit dem Jahr 2003 nicht mehr ruhen. Bei einer Konzertreise in das Fuggerstädtchen Sterzing in Südtirol – im Rahmen der von der Regio Augsburg Tourismus GmbH betreuten Konzertreihe „Die Fugger und die Musik“ entstand bei einem Spaziergang durch Brixen die Idee einer europaweiten Fuggerstraße. Jetzt wird die Vision endlich Realität: Die „Europäische Fuggerstraße“ wird ab 2019 als Kulturreiseroute in die Fuggerstadt sowie zunächst in Bergbauregionen in Tirol und in der Slowakei führen. An dieser Tourismuskooperation werden die Silberregion Karwendel mit der Bergbaustadt Schwaz sowie der Tourismusverband Region Hall-Wattens von Beginn an beteiligt sein. Sterzing in Südtirol und Neusohl (Banská Bystrica in der Mittelslowakei) sind vom Start weg weitere Partner. Den Termin der Markteinführung gibt das vom Land Tirol und von der Stadt Innsbruck initiierte Gedenkjahr zum 500. Todestag Kaiser Maximilians I. vor. Innsbruck und Augsburg widmen dem Habsburger jeweils große Ausstellungen.

 

Sowohl in Schwaz als auch in Sterzing und Neusohl erinnern heute Fuggerhäuser und Museen an die Montanwirtschaft zu Zeiten der Fugger. Die Schaubergwerke in Schwaz und in Sterzing zählen zu den großen Sehenswürdigkeiten im Tirol nördlich und südlich des Brenners. Und in der Fuggerstadt Augsburg? Dort werden die Fuggerschen Stiftungen 2021 runde 500 Jahre alt. Damit rücken nicht nur die Fuggerei, die Fuggerkapelle in St. Anna und St. Moritz in den Fokus, sondern auch weitere Fugger’sche Denkmäler von den Fuggerhäusern bis zu den Fuggerkapellen in St. Ulrich und Afra. Mit dem Bergbau der Fugger befasst sich in Augsburg ausführlich das Fugger und Welser Erlebnismuseum: Im Gewölbekeller des sanierten Renaissancehauses im Domviertel geht es um Erze und Metalle, um Handelswaren des Montankonzerns und um den harten Arbeitsalltag der Bergknappen und ihrer Familien.

 

Mehr zur „Europäischen Fuggerstraße“ und zu neuesten Erkenntnissen zum Montankonzern der Augsburger Fugger in der Zeit zwischen 1490 und 1663:
www.context-mv.de/europaeische-fuggerstrasse.html

Standorte und Wege des Montankonzerns der Fugger

Wo die Fugger Bergwerke und Hüttenbetriebe besaßen und wo die Produkte ihres Bergbau- und Metallkonzerns – auch über die Ozeane hinweg – gehandelt wurden, zeigt jetzt eine ganz neue Attraktion im Fugger und Welser Erlebnismuseum. Eine animierte Karte mit den Standorten und Transportwegen – in mehrwöchiger Arbeit inhaltlich und grafisch im context verlag Augsburg konzipiert sowie technisch umgesetzt von der Agentur Liquid – zeigt die zeitliche Entwicklung und die räumliche Ausdehnung des fuggerischen Montanunternehmens. Mehr zum Fugger und Welser Erlebnismuseum:

www.fugger-und-welser-museum.de

In der österreichischen Bergbaustadt Schwaz erinnert das Fuggerdenkmal am Fuggerhaus daran, dass der Augsburger Montankonzern in Tirol eine do­mi­nie­rende Stellung einnahm. In Nordtirol wie in Südtirol erinnern bis heute zahlreiche Bauwerke und Denkmäler an die Fugger und ihre Bergbauaktivitäten.
Foto: Martin Kluger

In der ehemaligen deutschen Bergstadt Neusohl (heute Banská Bystrica in der Mittelslowakei) ist das Thurzo-Haus im Stadtzentrum das prominenteste Denkmal des Fugger’schen Montankonzern, dessen Aufstieg wesentlich vom dort abgebauten Silber- und Kupfererz bestimmt wurde.
Foto: Martin Kluger

Broschüren und Links

Reisemagazin

Augsburg Magazin 2018

Broschüre

Fugger- und Welser Erlebnismuseum

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Die Fugger in Augsburg

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Die Fugger und Welser

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Die Fugger und die Musik 2018