1518: Luther im Fuggerstadtpalast

Text und Fotografie: Martin Kluger

Das Fugger und Welser Erlebnismuseum erinnert auch an die Konflikte zwischen Martin Luther und den großen Augsburger Handelsgesellschaften.

Vor genau 500 Jahren – Martin Luthers Verhör im Stadtpalast von Jakob Fugger

Dreimal – am 12., 13. und 14. Oktober 1518 – wurde Martin Luther im neuen Stadtpalast Jakob Fuggers von dem aus Rom angereisten Kardinallegaten Cajetan verhört. Er sollte den Mönch aus Wittenberg zum Widerruf seiner ab 1517 verbreiteten 95 Thesen bewegen. Doch Luther widerstand. Die Fuggerhäuser, St. Anna und die Lutherstiege sowie weitere Orte in Augsburg erinnern an das Ereignis vor 500 Jahren – ein zentrales Datum der Reformationsgeschichte.

Viermal, so schrieb ein Lutherforscher, sei Augsburg die bedeutendste Stadt der deutschen Reformationsgeschichte gewesen. Das erste Mal, als Martin Luther bei seinem Verhör durch Kardinal Cajetan im Fuggerstadtpalast seine 95 Thesen und seine Kritik am Ablasshandel nicht widerrief. Und das, obwohl ihm als „Ketzer“ der Tod auf dem Scheiterhaufen drohte. Gedenktafeln an der Fassade der Fuggerhäuser und beim Eingang zur evangelischen Kirche St. Anna erinnern heute an Luthers Verhör in den Fuggerhäusern und auch daran, dass er sich vom 7. bis zum 20. Oktober in Augsburg aufhielt. Weitere Gedenktafeln lassen Martin Luthers Wege in der Stadt bis zur Flucht in der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober nachvollziehen. Den Ablauf und die Bedeutung der dramatischen Tage vom Oktober 1518 erklärt heute die Lutherstiege, ein reformationsgeschichtliches Museum bei der Kirche St. Anna. Benannt ist die Lutherstiege nach der steilen hölzernen Treppe hoch zu den Räumen des ehemaligen Karmeliterkonvents. Dort war der Augustinermönch aus Wittenberg im Oktober 1518 als Gast untergekommen.

Wenige Jahre später war Augsburg eine überwiegend evangelisch glaubende Stadt – freilich eine, die selbst Luther schier verzweifeln ließ. Denn Augsburg zerfiel (beklagte Luther) in sechs Teile: Neben den Altgläubigen gab es hier die zunächst dominierenden Zwinglianer, aber auch Calvinisten, Wiedertäufer und Schwenckfeldianer. Luthers Anhänger stellten mitnichten die größte Gruppe. Die Folgen der konfessionellen Konflikte für die Reichsstadt waren grausam. Ab 1629 organisierte der mit dem Kaiser in Wien verbündete Augsburger Bischof die erzwungene Rekatho­lisierung der Reichsstadt. Evangelische Predigten waren ab dem 8. August 1629 verboten, die evangelischen Kirchen wurden wieder katholisch oder zerstört. Die Schikanen, denen Andersgläubige ausgesetzt waren und die sogar Familien zerrissen, sind schier unvorstellbar. Augsburg, das sich heute Friedensstadt nennt, musste seine Unfähigkeit zu Kompromissen in Glaubensfragen bitter büßen. Im Dreißigjährigen Krieg verlor die zuvor blühende Stadt durch Pest und entsetzliche Hungersnöte (damals kam es sogar zu Kannibalismus) zwei Drittel ihrer Einwohner.

Auch in dieser Beziehung ist 2018 ein Gedenkjahr: Denn 1618 begann der Krieg, der die Reichsstadt Augsburg ihre europäische Bedeutung kostete. An das Sterben der Kriegsjahre 1634 und 1635, bei dem ungefähr 30000 Augsburger vor allem verhungerten, erinnert die skurrile Figur des „Stoinernen Ma“ bei der Schwedenstiege, der Treppe hinauf zur östlichen Stadtmauer. Den Frieden von 1648 und die Gleichberechtigung der Konfessionen feiert Augsburg Jahr für Jahr mit dem Hohen Friedensfest am 8. August – seit 1950 ein gesetzlicher Feiertag.

Mehr Martin Luther in Augsburg

„Luther in Augsburg. Wege in der Reformationsstadt“ heißt eine 72-seitige Broschur der Regio Augsburg Tourismus GmbH, die zu 28 Sehenswürdigkeiten in und bei Augsburg führt – bei der Tourist-Info am Rathausplatz gratis zu haben.

Zu Terminen und Angeboten aus Anlass des Ereignisses vor 500 Jahren informiert: www.augsburg-evangelisch.de/et_veranstaltungen/1

Das Taschenbuch „Glaube. Hoffnung. Hass. Von Martin Luther in Augsburg (1518) über den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) bis zur ,Sau aus Eisleben’ (1762)“ führt mit 336 Seiten und 241 Abbildungen zu den Stätten der Reformationsgeschichte in sowie bei Augsburg und schildert die konfessionellen Konflikte in der früher so unfriedlichen Friedensstadt (www.context-mv.de).

Das Museum Lutherstiege erklärt die Dramatik der Tage von 1518 und ihre Folgen für die Reformation.

Das Porträt Luthers aus der Werkstatt von Lucas Cranach d.Ä. erinnert im Ostchor der Kirche St. Anna an den Aufenthalt des Augustinermönchs aus Wittenberg, der im Jahr 1518 im Konvent der Karmeliter zu Gast war.

Broschüren und Links

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The city of reformation

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