Die Landesausstellung 2020 in Friedberg und Aichach

Text: Martin Kluger, Fotografie: Martin Kluger (3)

1404 wurde Friedberg unter Herzog Ludwig „dem Gebarteten“ zur Stadt erhoben. Er ließ dort kurz darauf eine feste Burg errichten. Das heutige, im Stil der Renaissance erbaute Wittelsbacher Schloss entstand vor allem von 1550 bis 1560 sowie in den Jahren nach dem Dreißigjährigen Krieg. Fünf Jahre lang wurde diese Vierflügel­anlage zuletzt mit großem Aufwand saniert: 2019 eröffnet dort das „Museum im Wittels­bacher Schloss Friedberg“ wieder. 2020 wird in diesem Schloss ein Teil der bayerischen Landes­­ausstellung zu sehen sein. (Foto: Martin Kluger)

Zwischen Schloss und Burgruine: Das „Wittelsbacher Land“ machen sich schon 2019 für die bayerische Landesausstellung fein

Die Wittelsbacher haben den heutigen Landkreis Aichach-Friedberg geprägt. Wittelsbacherherzöge haben die altbaierischen Städte Friedberg und Aichach gegründet. An die Gründungsgeschichte dieser beiden Städte wird 2020 die bayerische Landesausstellung mit dem Titel „Stadt befreit. Wittelsbacher Gründerstädte“ erinnern. Friedberg und Aichach sind dann quasi „Exponate“ einer zweigeteilten Ausstellung. Beide Städte lohnen jedoch schon 2019 den Besuch. Auch die Mauerreste der namensgebenden Stammburg der Wittelsbacher in Oberwittelsbach sowie das „Sisi-Schloss“ im benachbarten Unterwittelsbach sind Stationen einer Spurensuche. Im Jahr 2019 lockt vor allem das wiedereröffnete Museum im Wittelsbacher Schloss nach Friedberg. Dort steht die Steinfigur der Maria Immaculata auf der Säule des Marienbrunnens vor dem Rathaus: Die Patronin Bayerns ist ebenso typisch für das barocke Bayern wie die Farben Weiß und Blau, die man in Rautenwappen der Wittelsbacher in Aichach und Friedberg entdeckt.

Kaum zu glauben: Das Wittelsbacher Schloss in Friedberg, das hoch über dem Lechtal bei Augsburg steht, war vorübergehend tatsächlich eine Fabrik. Genauer gesagt, eine Manufaktur für Fayence, die der bayerische Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern dort zwischen 1754 und 1768 betreiben ließ – damals ohne rechten Erfolg. Heute sind die kostbaren Stücke „made in Friedberg“ – Tonware mit weiß deckender Glasur – gerade wegen dieses äußerst kurzen Produktionszeitraums unter Sammlern heiß begehrt. Doch der Reihe nach…

Einige Jahre lang lag das Schloss in Friedberg im Dornröschenschlaf – 2018 feierte man nach der grundlegenden Sanierung die glanzvolle Wiedereröffnung. 2007 hatte die Stadt Friedberg dem Freistaat dieses Renaissanceschloss – ein mächtiges Bauwerk am nördlichen Rand der Altstadt – abgekauft. Damals bestand das dortige Museum seit mehr als hundert Jahren. Frühere Bausünden erschwerten aber eine zeitgemäße Nutzung des stadtbildprägenden Wittelsbacher Schlosses als attraktives Bürger- und Kulturzentrum – auch deshalb die jüngste Sanierung.

Friedbergs Schloss steht für ein Kapitel der Geschichte Bayerns und der Wittelsbacher. 1264 hatte Herzog Ludwig II. „der Strenge“ Friedberg gemeinsam mit seinem Neffen Konradin zum Schutz einer Zollstelle an einer Lechbrücke gegründet. Die Reichsstadt Augsburg auf der schwäbischen Seite des Lechs war aus Sicht der altbaierischen Grenzstadt Friedberg seinerzeit feindliches Ausland. Ludwig II. erbaute eine Burg, 1404 wurde Friedberg unter Herzog Ludwig VII. „dem Gebarteten“ zur Stadt erhoben. Er baute die Burg bald darauf zur Festung aus: Sie wurde zur „Kommandozentrale“ in den kriegerischen Konflikten mit dem in Sichtweite liegenden Augsburg. Die heutige Vierflügelanlage mit dem sehenswerten Innenhof entstand freilich erst später – hauptsächlich von 1550 bis 1560 sowie in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, in dem Friedberg zweimal zerstört wurde. Renaissance prägt das heutige Erscheinungsbild, mittelalterliche Relikte sind im Wittelsbacher Schloss aber noch erhalten.

Der Glanz des Friedberger Schlosses – eines der bedeutendsten Baudenkmäler im heutigen Landkreis Aichach-Friedberg – wurde durch die fünf Jahre dauernde Sanierung frisch aufpoliert: Innenräume wurden renoviert und neu gestaltet, das Dach instand gesetzt, neue Böden wurden verlegt und störende Zwischenböden entfernt. Der von Renaissancearkaden umgebene Innenhof wurde neu gepflastert. Dies alles ermöglichte die Wiedereröffnung des umgestalteten Museums im Wittelsbacher Schloss im Frühjahr 2019. Dort sieht man nicht nur kostbare Exemplare der im Schloss hergestellten Fayence, sondern auch Produkte einer zweiten speziellen Friedberger Handwerkskunst: Friedberg war vom 16. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der Uhrmacherei und verkaufte seine Preziosen im gesamten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, in Polen und Ungarn, bis nach Venedig und sogar im Osmanischen Reich.

In der von Museumschefin Dr. Alice Arnold-Becker konzipierten Dauerausstellung präsentiert die Abteilung für Archäologie überregional bedeutsame Funde von der Stein- und Bronzezeit bis zu den Römern und zum frühen Mittelalter. Das Thema „Wallfahrt und sakrale Kunst“ beleuchtet die Bedeutung der drei Wallfahrtskirchen in der Stadt Friedberg am Beispiel der Herrgottsruhwallfahrt sowie der Wallfahrt nach St. Afra im Felde. Im Museum werden zudem in der Stadt lebende Künstler aus dem 20. Jahrhundert vorgestellt. Natürlich ist auch die Schloss- und Stadtgeschichte eine zentrale Abteilung dieses Museums, und damit sind es auch die Wittelsbacher. Deren Spuren entdecken Besucher an vielen Stellen in der Stadt. Friedbergs noch sehr weitgehend erhaltene Stadtbefestigung wurde in der Zeit ab 1409 unter dem Wittelsbacherherzog Ludwig „dem Gebarteten“ ausgebaut. Diese Baumaßnahme des Herzogs überliefert ein Wappen- und Inschriftenstein in der neuromanischen Kirche St. Jakob. Zwei steinerne Löwen halten dort das Wappen mit den Bayernrauten und dem bayerischen Wappentier. Löwe und Rauten empfangen nicht nur die Besucher des Wittelsbacher Schlosses, sie sind zudem im Wappenschild am Ostgiebel des barocken Friedberger Rathauses zu sehen. Auch im Sitzungssaal des Rathauses kommt man am Weiß-Blau der bayerischen Rauten ebenso wenig vorbei wie am bayerischen Löwen: Sie sind in den Wandfresken zu finden, mit denen ein Historienmaler aus dem nahen München 1892 figurenreiche Szenen aus der Friedberger Geschichte nachempfunden hat: Natürlich sind in diesen farbenfrohen „Wimmelbildern“ etliche Wittelsbacher vertreten.

Die Verleihung des Stadtrechts an Friedberg durch Ludwig „den Gebarteten“ im Jahr 1404 ist der Grund dafür, dass sich 2020 die Landesausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte den Wittelsbachern als Stadtgründer sowohl von Friedberg als auch des nur wenig mehr als 20 Kilometer entfernten Aichach widmet. Ludwig „der Bayer“, der erste der drei Kaiser aus dem Hause Wittelsbach, hatte Aichach 1347 ein Stadtrecht verliehen, wie es zuvor den Münchener Bürgern zugestanden worden war.

Eine der spannendsten Geschichten um die Wittelsbacher im heutigen „Wittelsbacher Land“ ereignete sich lang vor dieser Zeit: Auf einem Hügel im ländlichen Aichacher Stadtteil Oberwittelsbach stand eben jene Burg Wittelsbach, nach der sich einer der vormaligen Grafen von Scheyern erstmals im Jahr 1115 nannte. Dort saßen die Wittelsbacher dann immer noch, als sie 1180 mit dem Herzogtum Bayern belehnt wurden, in dem Vertreter dieser Familie 738 Jahre lang herrschen sollten – zuerst als Herzöge, später als Kurfürsten und schließlich als Könige (von Napoleons Gnaden) bis 1918. Dass die Sache mit der Festung in Oberwittelsbach nicht gut ausging, lassen die spärlichen Mauerreste einer Ruine auf dem Burghügel erkennen, an denen einige Inschriftensteine eingelassen sind. Nachdem Pfalzgraf Otto VIII. von Wittelsbach 1208 in Bamberg König Philipp von Schwaben erschlagen hatte, wurde die Burg geschleift. Die Steine der Ruine hat man andernorts verbaut. Der Königsmörder wurde bei Kelheim getötet, sein Leichnam in ein Fass gesteckt, sein Kopf in die Donau geworfen. Dass die Wittelsbacher trotzdem so weit kommen sollten, wie sie am Ende kamen, wurde schon Mitte des 12. Jahrhunderts stark bezweifelt. Der Freisinger Bischof und Geschichtsschreiber Otto räsonierte: „Ich weiß nicht, warum der allmächtige Gott es zugelassen hat, dass fast die gesamte Nachkommenschaft des Grafen von Scheyern missraten und kaum ein Mann oder eine Frau darunter ist […], die nicht offen Gewalttätigkeiten üben, oder jedes kirchlichen und weltlichen Ehrenamts unwürdig, von Diebstahl und Straßen[raub] leben oder durch das Betteln ihr trauriges Dasein fristen.“ Die Wittelsbacher hatten nicht nur Freunde. Als Aichach 1347 sein Stadtrecht durch Ludwig „den Bayern“ erhielt, war der Wittelsbacher auf dem Kaiserthron fünf Jahre zuvor vom Papst mit dem Kirchenbann belegt worden.

Die weiß-blauen Rauten, welche die Wittelsbacher 1242 aus dem Wappen der Grafen von Bogen übernommen hatten, und ihr erheiratetes Wappentier, ein goldener Löwe auf schwarzem Grund, entdeckt man auch in Aichach – gleich zweimal an der Spitalkirche am Stadtplatz. Wie in Friedberg erinnert dort ein mittelalterlicher Wappen- und Inschriftenstein an Herzog Luwig „den Gebarteten“: Er ließ 1418 die Stadtmauern verstärken und durch Wehrtürme sichern. Die Farben der Wittelsbacher sieht man auch am Unteren Tor. Das Stadttor beherbergt heute das Wittelsbacher Museum: Im Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung München sind unter anderem Grabungsfunde der 1209 zerstörten Burg Oberwittelsbach dokumentiert.

Landesausstellung 2020

Die Bayerische Landesausstellung 2020 („Die Wittelsbacher als Städtegründer“) findet in Friedberg und in Aichach statt. Eröffnet wird diese am 28. April 2020. Veranstaltet wird die Schau vom Haus der Bayerischen Geschichte. Im Friedberger Schloss wird eine klassische Ausstellung mit originalen Exponaten gezeigt. Im ehemaligen Feuerwehrhaus in Aichach werden mit moderner Medientechnik Geschichtsszenarien präsentiert. Die Städte Friedberg und Aichach selbst sind quasi „Exponate“.

Zwei Städte, eine Ausstellung? Ein ungewöhnliches Konzept. Doch Friedberg und Aichach sind per Bahn und Auto nur eine Viertelstunde voneinander entfernt. Die gut 20 Kilometer lassen sich auch mit dem Fahrrad oder mit dem E-Bike locker bewältigen.

Mehr: www.wittelsbacherland.de

Wittelsbacher Schloss Friedberg

Im Sisi-Schloss im Aichacher Ortsteil Unterwittelsbach finden jährliche Ausstellungen über die schöne Wittelsbacherin statt.

Sisi-Schloss

Vertiefende Informationen über die Wittelsbacher findet man im Historischen Lexikon Bayern

 

Der Burghügel in Oberwittelsbach ist ein „Hotspot“ der Historie Bayerns. Die dortige Stammburg der Wittelsbacher wurde zerstört, weil Pfalzgraf Otto VIII. – der Burgherr – 1208 in Bamberg den Staufer­könig Philipp von Schwaben ermordet hatte.
Foto: Martin Kluger

1838 erwarb Herzog Max in Bayern, Vater der späteren Kaiserin Elisabeth, das Wasserschloss im heutigen Aichacher Stadtteil Unterwittelsbach. „Sisi-Schloss“ wird das altbaierische Wasserschlösschen deshalb genannt, weil sich dort wohl auch Elisabeth, (genannt „Sisi“) auf­gehalten hat. Sie war am 24. Dezember 1837 im nahen München zur Welt gekommen.
Foto: Martin Kluger

Broschüren und Links

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Augsburg Magazin 2019

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Wittelsbacher Land - Ziele im Landkreis Aichach-Friedberg