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Augsburgs historische Wasserwirtschaft: vom Tourismusziel zum UNESCO-Welterbe?

Augsburgs historische Wasserwirtschaft hat einen Riesenschritt auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe getan. Mitte Juni hat die Kultusministerkonferenz die künftigen Nominierungen zum Welterbe in Deutschland ausgewählt. Unter den neun nominierten Bewerbern steht die Interessenbekundung mit dem Titel „Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst in Augsburg“ auf dem dritten Rang. Der Weg dorthin – so Augsburgs Tourismusdirektor Götz Beck – war ein klassisches Beispiel dafür, wie sich Kultur und Tourismus gegenseitig befruchten.

 

Die Interessenbekundung der Stadt Augsburg wurde von Beginn an von der Regio Augsburg Tourismus GmbH mitbetreut, selbst an der Ideenfindung war Tourismusdirektor Beck beteiligt. Im Auftrag des Kulturreferenten der Stadt und in enger Abstimmung mit dem Umweltreferat und dem OB-Referat organisierte die Regio maßgeblich sämtliche Einreichungen und begleitende Publikationen. Auch die offizielle Website zur Interessenbekundung wurde an die Homepage der Tourismuseinrichtung angedockt. Die Regio organisiert seit 2011 Führungen durch das historische Wasserwerk am Roten Tor und seit 2013 zudem ein umfangreiches Begleitprogramm unter dem Titel „Augsburger Wassertage“: An jedem ersten Sonntag in den Monaten Mai bis Oktober können die Augsburger und ihre Gäste die Denkmäler der Wasserwirtschaft – Wassertürme, Wasserwerke, Wasserkraftwerke und Museen – (zumeist kostenlos) von innen besichtigen. Tausende kamen. Mehrere Regio-Broschüren bewarben seit 2013 die Sehenswürdigkeiten und das Begleitprogramm, das jährliche Tourismusmagazin der Regio widmete der historischen Wasserwirtschaft mehrseitige Beiträge. Tourismusdirektor Götz Beck zog höchstpersönlich als Referent durchs Land, um Förderer und Sponsoren für die Augsburger Interessenbekundung zu gewinnen. Um so erfreulicher war für den Regio-Chef die Mitteilung, mit der das Berliner Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland am 12. Juli den Beschluss der Kultusministerkonferenz an die Nachrichtenagenturen bekannt gab. Denn vom Welterbe-Prädikat, um das sich Augsburg voraussichtlich 2018 bewerben darf, würde nicht zuletzt der Tourismus profitieren. Fast ein Drittel der ausländischen Gäste in Deutschland orientiert sich bei der Reiseplanung an Stätten des UNESCO-Welterbes. 

 

In Augsburg sind – unter anderem – seit dem Mittelalter entstandene Kanäle und Wassertürme, drei Monumentalbrunnen der späten Renaissance, das historische Wasserwerk am Hochablass von 1879 – ein Industriedenkmal von internationalem Rang – sowie mehrere Wasserkraftwerke des frühen 20. Jahrhunderts als authentische Denkmäler erhalten. In Augsburg stehen die drei ältesten Wassertürme Deutschlands und wohl auch Mitteleuropas, die seit den Römern betriebene Wasserkraftnutzung hat die Stadt mitgeprägt. Hydrotechnische Modelle in der weltweit einzigartigen Modellkammer des Maximilianmuseums Augsburg sowie die Bestände des Stadtarchivs Augsburg, der Kunstsammlungen der Stadt Augsburg und der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg haben das Wissen über ein halbes Jahrtausend historischer Wasserkunst bewahrt. Augsburg ist somit – im Zeitfenster zwischen 1412 und 1922 – ein weltweit wohl einzigartiges „Archiv der Wasserwirtschaft“.

 

Augsburgs historische Wasserwirtschaft gehört nach Einschätzung der Kultusministerkonferenz und des von ihr beauftragten Fachbeirats zu den Kulturgütern, die das entscheidende Kriterium des außergewöhnlichen universellen Wertes erfüllen. Zudem fallen sie nicht in die Kategorie jener Kulturstätten, die auf der Welterbeliste bereits überrepräsentiert sind und damit geringere Aussichten auf Aufnahme haben, wie zum Beispiel die bayerischen Königsschlösser. Unter den rund 1000 Welterbestätten der UNESCO-Liste sind derzeit nämlich nur drei mit der Bewirtschaftung von Süßwasser in Verbindung zu bringen. Als Erfolg dürfen die Augsburger ihre Nominierung schon jetzt feiern, denn 2011 waren in allen deutschen Bundesländern insgesamt mehr als hundert Interessenbekundungen eingereicht worden. 

 

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